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Was für eine Reise und was für ein Ritt- Teil 2


Sooooo, wo waren wir stehengeblieben, ja genau beim Steinschlag, der laut Mietwagenfirma (erinnert an die Sixtinische Kapelle) 1.100 € Selbstbeteiligung kosten soll, verrückt. Zum einen war ich wirklich stolz auf mich, einen Steinschlag hinbekommen zu haben, der laut Kostenvoranschlag 1.800 € kosten sollte - da kann man sich schon mal auf die Schulter klopfen. Zum anderen habe ich mir nur gedacht, hört dieser Mist denn überhaupt nicht mehr auf, und mich händeringend nach der versteckten Kamera umgeschaut.

Hier muss sich doch jemand einen Scherz erlauben, anderes kann man sich da ja nicht mehr erklären.

Erklären, warum muss man eigentlich immer alles erklären können, woher kommt das? Wieso kann man nicht einfach mal was so nehmen wie es ist? Ich lass das mal so stehen, Gedanken sind herzlich willkommen in den Kommentaren.


picture by Tanya Barrow on Unsplash
picture by Tanya Barrow on Unsplash

Ich wollte mir jetzt allerdings nicht wirklich Zeit nehmen, mir Gedanken zu machen, was jetzt alles passiert war. Somit habe ich die Mail ignoriert. Und ja, auch wenn ich immer wieder sage zu mir und auch zu anderen, verdrängen, bringt nichts, kommt nur stärker zurück, war ich im Moment ein Mensch und auf dem Weg zu einer Beerdigung, hatte schon mein Auto auf dem Weg verloren und wollte jetzt nur noch sicherstellen, dass meine Mutter nicht alleine dort ist und ich meine Fähre erwische. Und ich wollte noch zumindest einen kurzen Abend mit meinem Sohn haben, bevor ich dann am nächsten Tag nach England fahre, weil dieses schlechte Gewissen, das man als nicht täglich vor Ort Vater in einem Patchworksetup hat, auch befriedigt werden will! Danke, Sammy.


Ein kleiner Zwischengedanke. Ich lebe jetzt seit 14 Jahren in einem Patchworksetup über Grenzen hinweg. Die Komplikationen, die das mit sich bringt, kann man sich erst wirklich vorstellen, wenn man es erlebt hat. Ich kann mich noch erinnern, als ich mit Sabine am Anfang unserer Beziehung versucht habe, einen Jahresplan zu erstellen. Wir sind darauf gekommen, dass wir das erste gemeinsame Wochenende im November des Jahres haben würden. Wir waren sprachlos. Somit wird jede Gelegenheit genutzt, die ich in Deutschland bin, um mit meinem Sohn zumindest ein paar Stunden zu verbringen. Ich ziehe den Hut vor uns und vor allen Familien, die in einem Patchwork-Setup leben. Das ist eine emotionale und logistische Meisterleistung.


Gut, dann ging es los, ab nach England zu einer Beerdigung und zu einem Haus, von dem ich nicht wusste, wie es aussieht, weil ich es das letzte Mal drei Jahre vorher gesehen hatte und mein Onkel in der Zwischenzeit ein Pflegefall geworden war. Dieses Gefühl auf der sehr langen Autobahnfahrt, das man bekommt, wenn man wo hinfährt, wo man gar nicht hinwill unbedingt und auch noch nicht zu wissen, was einen dort erwartet, ist kein schönes Gefühl, noch dazu, wenn man im Januar in einem Auto fährt, das keine Winterreifen hat - was der eigentliche Grund war, wieso ich mit meinem Auto (hat Winterreifen) fahren wollte. Das Gefühl sitzt in der Magengrube und es ist dort einfach, es hat auch aus meiner Sicht keine besondere Aufgabe, außer dich daran zu erinnern, dass du jetzt viel lieber auf dem Sofa liegen würdest, den Mount Everest besteigen, Ultramarathonläufer oder medizinisches Versuchskaninchen wärst, alles wäre besser als jetzt hier in der Situation zu sein.


Die Fahrt war angenehm, Sonntags fahren ist großartig, und ich habe es ohne Stress auf die Fähre geschafft und am Abend dann in mein Hotel. Dort angekommen, bin ich superfreundlich empfangen worden. Mal wieder in einem Hotel, mal wieder sind sie alle freundlich, wenigstens das ist ein roter Faden. Gepäck aufs Zimmer und dann ab. An die Bar zu den ersten Fish & Chips und Guinness, seit langem, die waren dann auch richtig gut.

Dann habe ich versucht, meine Mutter zu erreichen.

Meine Mutter ist 82 Jahre alt und ist am gleichen Tag von Teneriffa nach Bristol geflogen. Ich habe sie aber nicht erreicht. Gut wird gerade in einem Funkloch sein, probiere es nachher nochmal. Hab mir ein Bier bestellt, sinnlos in Social Media gestarrt und dann wieder probiert, eine halbe Stunde später, wieder nichts. Gut 15 Minuten später nochmals, wieder nichts. Gut, Flug geprüft, ob er wirklich geflogen ist, check! Angekommen ist er auch, check! Soweit kann man mal die Gedanken an einen Flugzeugabsturz auf die Seite legen. Erklärt aber immer noch nicht, wieso meine Mutter nicht erreichbar ist. Dann gibt es im iPhone ja dieses praktische Feature „Wo ist“, da nachgeschaut und gesehen, dass meine Mutter nicht mehr in Bristol ist, sondern auf dem Weg. Gut zumindest ist sie angekommen UND auf dem Weg. Kurz gedacht, dass der Akku leer ist am Handy, dann könnte ich sie aber nicht wirklich orten, hmmmmmm????


Dann ruft mein Vater, 88, an und fragt mich, ob ich was von meiner Mutter gehört habe, er erreicht sie nicht. Man muss dazu wissen, wenn mein Vater mich anruft, geht es entweder um die Heizung, ob eh alles funktioniert und alles andere ist ein Notfall, Telefongespräche gehen immer über meine Mutter. Ich sag ihm, dass ich es auch nicht geschafft habe und probiere es weiter. Nichts. Nach so ca. 10 Anrufen werde ich wirklich nervös.


Rufe das Bestattungsinstitut an, welches meine Mutter vom Flughafen abholen wollte - klingt komisch, weiß ich, war aber so - Anrufbeantworter. Ok, da war wieder so ein Gefühl im Bauch, nach all dem Auf und Ab, was schon passiert ist, was ist jetzt wieder los und das Kopfkino geht los mit Vollgas! Ich war schon am Überlegen und Planen. Kann ich nach zwei Bier noch fahren - 23 Uhr nachts todmüde 350 km? Soll ich die Polizei anrufen und wenn ja, was sage ich denen? Meine Mutter wurde vom Bestattungsinstitut in Bristol am Flughafen abgeholt, lebt aber noch, bin mir aber nicht sicher, ob sie jetzt entführt worden ist? Was genau mache ich denn jetzt, selbst wenn ich losfahre, wo fahre ich denn überhaupt hin? Ich wusste ja nicht mal genau, wie der Fahrer hieß. Da war es wieder dieses blöde Gefühl, hat alles super geklappt heute, und was ist das denn jetzt schon wieder?


Und man darf nicht schreien, AHHHHHHHHHHH.

Dann plötzlich klingelt mein Telefon, meine Mutter dran. In dem Ton, den ältere Menschen, besonders Eltern, so haben. Was ist denn los? Ist doch gar nichts passiert, alles wunderbar, Feier hier ne Party mit Einhörnern und es gibt hier richtig gut was zu saufen.  Und natürlich darf folgende Frage nicht fehlen - warum rufst denn so oft an? Und man darf nicht schreien, AHHHHHHHHHHH.


Naja, gut, das alles war ok, hat sich rausgestellt, es gab eine Reifenpanne und der Fahrer und meine Mutter haben sich lustig unterhalten, während das Handy im Kofferraum im Koffer war. Genau da gehört es hin, wenn man mit dem Flugzeug ein paar tausend Kilometer fliegt. Wie könnte es denn sein, dass sich irgendwelche Familienmitglieder Gedanken machen, so ein Blödsinn! Naja, es war alles gut, sie ist angekommen, nur ein paar Stunden später als geplant. Ich konnte endlich ins Bett, mal wieder um 12 Uhr nachts.


Ich hatte ein riesiges Bett und in der Nacht habe ich wunderbar geschlafen, das mache ich im Prinzip jede Nacht. Ich bin mal gefragt worden, bei einem Führungskräfteseminar, was meine Superpower sei, da habe ich gesagt - ich kann immer schlafen. Das war teils ein Scherz und teils die Wahrheit. Für mich ist das eine Superpower und etwas, das sehr wichtig ist, Schlaf gibt dir die Energie, mit all solchen Themen fertig zu werden – auch mit Müttern, die Handys in Reisekoffer packen.


Es wird wohl noch Teil 3 geben zu dem Ganzen, ich versuche mich kurz zu fassen, aber es ist so eine wertvolle Geschichte, die ich sehr gerne teilen möchte.


Euer

Uwe

 
 
 

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