Was für eine Reise und was für ein Ritt
- Uwe Kurz
- vor 6 Tagen
- 10 Min. Lesezeit

Ich habe jetzt schon seit einiger Zeit nichts mehr in meinem Blog geschrieben und ganz ehrlich, ich wusste auch nicht, ob ich das je wieder machen wollte. Ich war relativ frustriert darüber, dass LinkedIn, wo ich den Blog immer veröffentlicht habe, eigentlich überschwemmt ist mit all diesen Selbstoptierungen, wie toll alle sind und wie erfolgreich, und wie einer den anderen repostet und man sich gegenseitig brav gratuliert und dann natürlich irgendwie das Gleiche erwartet von dem anderen, den man gerade geliked oder applaudiert hat - kurz gesagt, mir ging das gewaltig auf den Zeiger. Ich habe versucht, bei dem ganzen Mist mitzumachen, ich wollte ja noch besser sein als alle anderen, ich musste ja herausstechen, ich musste ja auffallen, ich musste eine noch bessere Lösung parat haben, was ich alles musste, und das nur, um Kunden und Klienten zu bekommen - bis mir dann meine schwäbische Heimat eingefallen ist und dann war es auf einmal klar - einen Scheiß muss ich!
Das Einzige, was man irgendwann muss, und wenn man hier auch wieder den tausenden Posts zu Longevity folgt, ist das auch nicht sicher, ist zu sterben.
Das kann ich machen, indem ich bis dahin brav mache, was alle machen, und versuche, das millionste Mal besser zu sein, um aufzufallen, oder ich kann einfach das machen, was ich will, und schauen, wen das so anspricht. Ich habe mich jetzt für das Letztere entschieden, weil, wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, dann habe ich nie ganz das gemacht, was alle von mir erwartet haben. Nicht in der Art und Weise, dass ich als ständiger Querulant durch die Gegend gerannt bin und allen anderen gesagt habe, was sie zu tun haben, mehr in der Art und Weise, dass ich es schon immer faszinierend fand, wie Menschen ticken und wie jeder auf seine Weise versucht, sein Leben zu leben und in den Griff zu bekommen, bis man irgendwann versteht, dass man da gar nichts in den Griff kriegen kann. Das Leben macht sowieso, was es will, man kann sich nur entscheiden, gegen alles zu kämpfen und daran zu zerbrechen oder einfach die Welle zu nehmen und zu surfen, oder sich einfach mit einem Bier an die Bar zu setzen und sich überlegen, was der Mist jetzt schon wieder soll, und dann einfach anfangen, anfangen damit, es zu akzeptieren, dass es jetzt da ist und so auch da bleiben wird und gesehen werden will, was es auch immer ist.
Bei mir hat es angefangen mit einem Anruf am 24.12., dass mein Onkel gestorben ist. Er war schon länger krank und es war wahrscheinlich auch eine Erleichterung für ihn. Trotzdem natürlich ein sehr trauriger Moment. Ein Moment, der mich in die Situation gebracht hat, ob ich jetzt an Weihnachten meinen Kindern sagen will, dass mein Onkel gestorben ist und so das Weihnachtsfest zu zerstören, natürlich nicht komplett, aber so ein bisschen die Stimmung rauszunehmen. Ich wollte das nicht, ich wollte, dass es allen in meinem Umkreis gut ging, auch wenn es mir nicht so gut ging. Ich habe es mit meiner Partnerin geteilt und das war's. Sie hat mich dann am nächsten Tag nachhaltig darauf hingewiesen, es zu teilen, ich wollte nicht, das gehört sich nicht, habe ich gedacht. Weihnachten sind wir alle lustig und fröhlich und haben Spaß zusammen, da passt so eine Nachricht nicht rein. Ich war sauer auf meinen Onkel, dass er mich in so eine Lage gebracht hatte, auch wenn es total verrückt klingt, ich war wirklich sauer. Wie konnte jemand einfach so an Weihnachten sterben und mich in die Situation bringen, dass ich es jetzt den Kindern sagen darf, eine Frechheit! Was für ein idiotischer Gedanke, ich denke nicht, dass er es sich so ausgesucht hat, aber so sind wir Menschen nun mal, und das ist okay.
Ich habe es den Kindern dann gesagt und sie haben es alle gut aufgenommen, es gab diesen kurzen Moment der Traurigkeit, aber dann hatten wir ein schönes Weihnachtsfest als Familie. Meine Angst, die ich davor hatte, war unbegründet, es war nur in meinem Kopf und das Ganze verrückt machen davor komplett sinnlos. In meiner Naivität dachte ich, das wäre das Schlimmste und das hätte ich jetzt hinter mir, so weit gefehlt wie sonst was.
Meine Mutter hat dann alles für die Beerdigung arrangiert und weil es Weihnachten war, hat alles ewig gedauert. Wir waren im Skiurlaub mit Freunden, der wie jedes Jahr schon lange geplant war, nur dieses Mal saß ich dauernd da, weil ich nicht wusste, ob ich jetzt Hals über Kopf abreisen muss nach England, um meine Mutter zu unterstützen. Nach Tagen hat sich dann herausgestellt, dass die Beerdigung erst Mitte Januar ist und somit noch Zeit ist. Eine Zeit des Wartens, des Nichtwissens, des Fragen bekommens und keine Antworten haben. Kurz, eine sehr unangenehme Zeit, auch eine Zeit, in der ich mitten im Aufbau meiner Selbstständigkeit bin und zwei Firmen aufziehe, so etwas hat jetzt nicht wirklich in meinen Plan gepasst, aber wie gesagt, das Leben hält sich leider nicht an meine Vorgaben.
Dann endlich der Plan geschmiedet und alles in die Wege geleitet für die Fahrt nach England, mit dem Auto von Österreich nach England, kein Pappenstiel, aber okay. Mit dem Auto, weil mein Onkel zum einen am AdW (Anmerkung der Redaktion - Arsch der Welt) wohnt in England und dort ohne Auto ein Fortkommen nicht wirklich möglich ist und zum anderen, weil ich Sachen mitnehmen sollte. Damals wusste ich noch nicht, wie viele Sachen das wirklich sind, sehr, sehr viele.
Gesagt, geplant, gepackt, getan und los ging es bis nach Neumarkt i.d.Oberpfalz, ein schönes Städtchen kurz vor Nürnberg und wie ich von den Taxifahrern dort gelernt habe, eine der reichsten Gemeinden von Deutschland - Spoiler: Sie haben den Hebesatz für die Gewerbesteuer bewusst niedrig gehalten, daher sind viele große Unternehmen dort, nur so als Hint, wer auch immer das liest!
Ich fahre da verträumt vor mich hin und plötzlich habe ich diesen Weihnachtsbaum, von dem ich gedacht habe, dass ich ihn in Österreich zu Hause gelassen habe - meine Frau wollte ihn übrigens schon gleich nach Weihnachten rauswerfen, aber das geht für mich als Halbschwabe nicht, solange da Nadeln dran sind, ist er super als Lufterfrischer, der ist ja schließlich bezahlt - auf meinem Armaturenbrett angegangen.
Ich habe es dann gerade noch geschafft, dass ich auf eine Raststätte gerollt bin, dort ging dann gar nichts mehr. ADAC angerufen, der auch prompt kam, nur um festzustellen, dass ich die Kontonummer von unserem Konto nicht geändert hatte und der Beitrag nicht eingezogen werden konnte - kurz, ich hatte gar keinen Schutz. Toll!
Meine Partnerin war glücklicherweise beim ÖAMTC und die haben mich dann unter dem Schutzbrief von ihr betreut, ich war selten so erleichtert, weil ich gedacht habe, jetzt ist alles gut, er wird das kurz reparieren, wie die das immer machen (DANKE dafür!). Aber leider nein, musste abgeschleppt werden. Wieder am Boden. Gut 1,5 Stunden auf den Abschlepper gewartet, die wunderbare Raststättengastronomie genossen und dann um 22:30 Uhr zur Werkstatt abgeschleppt worden. ÖAMTC hat mir noch ein Hotel genannt, und da bin ich dann mit dem Taxi hin, nachdem mich der Abschlepper bis zur Werkstatt mitgenommen hat. 23:30 Uhr laufe ich also völlig erledigt von meinem Wechselbad der Gefühle rein zur Rezeption und möchte ein Zimmer. Ich bin in Neumarkt i.d. Oberpfalz, wie sollte es sein, dass es hier kein Zimmer gibt, aber genau das war der Fall. Wir haben eine Konferenz und sind ausgebucht. Toll!
Gibt es nicht ein anderes Hotel, war meine Frage an die nette Frau an der Rezeption und sie ja, aber sie war sich nicht sicher, ob sie noch offen waren. Gut, dann habe ich mich hingesetzt, habe Booking.com aufgemacht und angefangen, die Hotels zu suchen und wollte gerade anfangen zu telefonieren. Da kam auf einmal die nette Frau von der Rezeption und hat gemeint, dass sie das auch noch nicht erlebt hat, aber jetzt gerade hat jemand storniert. Und da war es wieder, das Gefühl von jetzt geht es aufwärts, jetzt geht es sowas von aufwärts. Ich war ultra glücklich in dem Moment, habe sogar noch ein Bier bekommen an der Bar und bin dann ins Bett und habe geschlafen wie ein Baby.
Der nächste Morgen, ich gut gelaunt zum tollen Frühstücksbuffet, unten alles voll von wichtigen Managern, die eine wichtige Konferenz hatten, so wie ich früher viele hatte, habe sie nicht beneidet, weil man gut sehen konnte, dass jene, welche noch an der Bar waren gestern, als ich mir mein Bier geholt habe, heute Morgen deutlich am schlechtesten aussahen, waren wohl noch länger. Naja, bin dann mit dem Taxi zum Autohaus und habe mich vorgestellt als der Deutsche aus Österreich, der hier gestern sein kaputtes Auto zusammen mit dem ADAC abgestellt hatte. Sie hatten sich schon gewundert, war die Antwort, dann war das Auto auch schon in der Werkstatt. Ich könne Platz nehmen und einen Kaffee trinken, sie lesen jetzt irgendetwas aus und dann sagen sie mir, was es ist. Gut, habe ich gemacht, Laptop auf und gedacht, super, gestern sowieso was liegengeblieben, das kann ich jetzt machen.
Kleine Seitengeschichte, ich hatte für meine Eltern noch eine neue Heizung organisiert, weil ihre nur dann funktioniert hat, wenn einer der Nachbarn in den Keller gegangen ist und ca. 15 min lang die Heizung an- und ausgeschaltet hat, bis sie wieder für ca. 24 Stunden lief. Das Problem bestand seit Jahren, nur war es am Anfang einmal im Monat, jetzt jeden Tag, und die Nachbarn hatten völlig unverständlicherweise keine Lust mehr auf diesen wunderbaren und erfüllenden Job. Der Heizungsmonteur wollte mit mir alles durchgehen an dem Tag und ich habe ihm gesagt, das passt schon, wird nur ein bisschen später. Bis jetzt dachte ich auch, dass es alles so passt. So was von naiv wie sich rausstellen sollte!
Dann kam der Werkstattleiter nach ca. 2 Stunden zu mir und brachte mir die Nachricht, dass irgendwas mit dem AdBlue-Tank ist und sie noch weiter schauen müssen, was da sonst noch ist. Nach einer weiteren Stunde wurde mir eine belegte Semmel gebracht, was ich unglaublich aufmerksam fand, dann nach einer weiteren Stunde die Hiobsbotschaft -- AdBlue-Tank und Turbolader defekt, Rechnung fast 4000 €. Toll!
Da saß ich dann wieder komplett am Boden, das hatte doch so schön geklappt mit dem Hotelzimmer, was passiert heute, kommt er gleich nochmal und sagt, dass es das falsche Auto war, leider nein. Das Schlimmste war aber dazu noch, dass es mind. 1 Woche dauert, bis das Auto repariert ist, weil sie erst alles bestellen müssen. Ich musste aber nach England, die Fähre war gebucht.
Gut, was soll ich machen, ÖAMTC hat mich schon mal gerettet, werden sie sicher wieder hinbekommen. Und sie haben wirklich alles versucht, und ich bin bis um 18 Uhr abends im Autohaus gesessen. Es war unmöglich, einen Mietwagen zu bekommen und ich hatte sehr viel Gepäck dabei, unter anderem das Snowboard meines Sohnes, welches er für die Schulausfahrt benötigt hat, somit war Zug keine Option. Dann um 18 Uhr mit dem Taxi zum Flughafen Nürnberg, dort gab es einen Mietwagen. Angekommen mit dem Gepäck zum Schalter und den Wagen abgeholt. Als ich gehen will, sagt der nette Mann hinterm Tresen, wenn Sie ihn morgen zurückbringen, einfach oben im Parkhaus den Schlüssel abgeben. Ich war etwas verwirrt, dachte aber, dass ich übermüdet bin und fragte wieder in meiner naiven Art - wie wieder zurückbringen? Naja, wurde mir dann erklärt, das ist ein Wagen, der nur hier bleibt, der wird immer wieder hierher zurückgebracht. Ich habe ihm dann erklärt, dass ich das nicht machen werde, er hat mir dann erklärt, dass es 80 € kostet, wenn ich das nicht mache, ich habe dann gesagt, das ist mir egal, weil ich nur noch weiter wollte und immer noch diese Fähre zu kriegen hatte.
Bin dann im Auto gesessen und gefahren, habe mir die ganze Fahrt überlegt, was denn hier für ein Film abgeht und wie ich dazu komme, hier irgendwie mitspielen zu müssen. Angekommen in DE bei meinen Eltern bin ich mal wieder um 1 Uhr nachts ins Bett. Am nächsten Morgen bringe ich dann vollgetankt den Mietwagen zurück, bekomme meine Rechnung über zusätzliche 80 € und fahre wieder zurück mit der Bahn zu meinen Eltern, deren Auto ich nehmen werde für die Fahrt nach England. War anders geplant, aber okay, so ist es jetzt. Wieder dieses Gefühl, so jetzt ist es aber überstanden. 2 Stunden später Mail von der Mietwagenfirma: Steinschlag, bitte 1100 € überweisen. Toll!
Das Ganze ist noch nicht vorbei, aber ich stoppe jetzt hier und es gibt einen zweiten Teil, versprochen.
Warum schreibe ich das alles? Ich schreibe das, weil ich das große Glück habe, eine tolle Partnerin, Familie und tolle Freunde zu haben, die mir zu jeder Zeit geholfen haben und mir zur Seite standen. Wenn ich was gebraucht habe, hatte ich immer jemanden zum Anrufen und ganz ehrlich, es war wichtig, einfach diese wahnsinnige Geschichte zu erzählen, es war so ein Auf und Ab die ganze Zeit, es war komplett verrückt. Wenn ich niemanden gehabt hätte zum Reden, wäre ich wahrscheinlich durchgedreht.
Das Gute an dem Thema war, dass es eines ist, über das man gut sprechen kann, es gibt aber auch Themen, über die kann man nicht so gut und offen sprechen, zumindest denkt man das. Das gilt für das private Leben genauso wie für das berufliche Leben, hier gibt es immer wieder Themen, über die man nicht spricht, wo man sich nicht traut, sie anzusprechen, wo man sich vielleicht auch schämt.
Ich bin der festen Überzeugung, dass uns diese Themen über den Weg laufen und uns besser, größer, stärker machen sollen und um uns selbst näher zu kommen. Ich bin aber genauso überzeugt, dass es immer die Möglichkeit geben muss, jemandem den Raum zu halten und einfach mal da zu sein für die Person, damit man reden kann über das, was einen wirklich beschäftigt.
Was hat das jetzt alles mit LinkedIn zu tun?
Relativ einfach, ich kann versuchen, das Gleiche zu machen wie alle anderen, oder ich bin einfach, wer ich bin. Bin ich perfekt und habe nur Erfolge? Nein, ganz sicher nicht! Bin ich immer der, der alles richtig macht? Sicher nicht, ich bin ein Mensch! Bin ich der, der immer zu jeder Zeit der Beste in allem ist? Absolut nicht, nur ab und zu! Was ich aber sein kann, ich kann authentisch sein und einfach sehen, wer sich dadurch angesprochen fühlt, wie auch immer. Wenn man wirklich einen Unterschied machen will auf LinkedIn und in seinem Blog
, dann zeigt man, wer man ist als Mensch, als kompletter Mensch.
Und jetzt kommt das Wichtigste: Man macht es nicht wegen LinkedIn, sondern man macht es, weil man genau die Klienten haben möchte, die das anspricht. Ich kann mit niemandem arbeiten, der in meiner Geschichte nur sieht, dass ich mein Leben nicht im Griff habe, da sind wir nicht kompatibel. Genauso kann ich nicht mit Firmen arbeiten, bei denen nicht über Fehler gesprochen werden darf, bei denen immer alle und alles perfekt ist (zumindest an der Oberfläche). Ich kann nur arbeiten als Coach, als Unternehmensberater, als Entrepreneur mit Menschen und Themen, die mit mir resonieren, sonst wird da kein Feuer entstehen, sonst wird sich da nichts entwickeln. Und genau das passiert nicht, wenn alle das Gleiche machen auf LinkedIn oder sonst einer Plattform, mehr von demselben wird immer nur das Gleiche anziehen. Menschen sind aber nicht alle gleich und es gibt nicht die eine Art zu sein, es gibt unendlich viele Versionen und das ist die Stärke und die Schönheit. Immer wieder neue Blickwinkel zu bekommen und eben zu erfahren, dass man nicht schon alles weiß, sondern ganz im Gegenteil.
Wo habt ihr schon mal solche Wahnsinnigkeiten erfahren? Was habt ihr im Nachhinein dadurch gelernt? Was hat sich im Nachhinein verändert, das ihr nicht auf dem Schirm hattet?
Ich würde mich freuen, wenn ich für dich diese Person sein dürfte — als Coach, als Berater, oder einfach als Mensch, der zuhört. Melde dich!
Euer
Uwe
P.S.: Teil 2 ist schon in Arbeit und kommt bald :-)



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